Rede der OV-Vorsitzenden zum 60-jährigen Jubiläum der SPD Ellwangen
Seit 2007
Im März 2007 tritt Claudia Sünder in die Fußstapfen von Hans Rieger und übernimmt als Vorsitzende den SPD Ortsverein Ellwangen. Ihr beruflicher Schwerpunkt liegt im Bereich der Beruflichen Bildung und der Psychologischen Beratung. Als „Reingeschmeckte“ – seit 10 Jahren ist ihre neue Heimat Ellwangen – und als amtierende Vorsitzende schreibt sie hier nicht über ihre Amtszeit, sondern über Eindrücke aus zehnjähriger politischer Tätigkeit in Ellwangen und ihre Visionen:
„Als ich im November 1998 nach Ellwangen zog, die Besonderheiten der schwäbischen Kultur nur ahnend, galt mein erster Anruf der SPD. Diszipliniert wollte ich mich ummelden und außerdem schien mir die Suche nach sozialen Kontakten notwendig, wenn ich meine neue Heimat ergründen wollte. Mein Status war der einer norddeutschen Ortsvereinsvorsitzenden ohne Ortsverein mit ein wenig Ostseesand und Muschelschalen in den Koffern und einer CD „Schwäbisch für Fischköpp…“. Damals rief ich bei Dorothee Ulmer an, die mich drei Tage später in ihr Auto lud, um mich bei der jährlichen Christbaumaktion den GenossInnen vorzustellen…
Zehn Jahre sind seit diesem Tag vergangen. Ich habe unendlich viel gelernt – nicht nur über das damals raffinierte Mülltrennungssystem oder dass es hier Wurst in „Rädle“ gibt – sondern auch über politisches Arbeiten, über ein von Respekt geprägtes Miteinander, über Achtung vor anderen Menschen und auch über faire konstruktive Streitkultur. Über Beständigkeit, Energie und Engagement, über sozialdemokratisches Herzblut und das Einstehen für seine Meinung. Ich fand in Ellwangen nicht nur eine neue Heimat, ich fand auch eine politische Familie. Es erfüllt mich mit Stolz und ich betrachte es als Auszeichnung, dass ich ihr vorstehen darf.
Die Zeit ist für politisches Engagement nicht leichter geworden. Über alle Parteigrenzen hinweg wird über Politikverdrossenheit geklagt. Die Mehrheitsverhältnisse in Ellwangen lassen einen SPD Ortsverein nicht gerade jubeln. Da lebt Demokratie von Beteiligung. Wir brauchen Menschen, die sich mit Freude um die Belange ihrer Stadt, ihrer Kommune kümmern, die sich für Ihren Nachbarn interessieren, aber auch für den Nachbarn aus einem anderen Kulturkreis. Menschen, die eintreten für jemanden, der es allein nicht schafft, der nicht die gleichen Chancen auf Teilhabe am Wohlstand einer Gesellschaft hat. Hier sehe ich ein großes Arbeitsfeld, auch und gerade für die SPD.
Als Vorsitzende bemühe ich mich, die Tradition und die Leitgedanken der SPD Ellwangen weiterleben zu lassen, denn all das eben Beschriebene zieht sich wie ein roter Faden durch die vergangenen 60 Jahre. Politik verständlich zu machen, Transparenz zu schaffen, zu informieren und Angebote für Partizipation zu gestalten.
Dafür gibt es auch in den vergangenen „nur“ zwei Jahren meiner Amtszeit viele Beispiele: wir haben Stammtische ins Leben gerufen, uns in Veranstaltungen mit Wehrpflicht auseinandergesetzt, der Unternehmenssteuerreform, der Erbschaftssteuer, uns im Kampf gegen Rechtsextremismus positioniert, am Grundsatzprogramm gearbeitet, über Mindestlohn informiert, uns mit der Neugestaltung der Innenstadt auseinandergesetzt, Privatisierung von öffentlichen Betrieben kritisch betrachtet – und ein großer Schwerpunkt: das Engagement für ein Ellwanger Schulkonzept, dass das Wohl und damit die Förderung und Unterstützung aller Kinder in Ellwangen nicht nur in den nächsten zwei Jahren, sondern auch weit darüber hinaus zum Ziel hat.
Es ist mühsam, politisch zu arbeiten. Man braucht einen langen Atem. Die Vorbereitung auf die Kommunalwahlen läuft. Viel Zeit und Energie wird gebunden. Aber: es lohnt sich! Engagement lohnt sich – und Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität sind Grundwerte, deren Erhalt mir wichtig ist. Die SPD wird gebraucht – auch und gerade in Ellwangen.
